Wie alles begann ...
Gerd

Wer kennt noch einen Detektor ?


Einige Ältere werden sagen, "schon mal gehört, den Namen" oder, "hat was mit Radio zu tun". Die Jüngeren kennen ihn sicher nicht. Im Zeitalter der Mikroelektronik ist das auch nicht notwendig und doch erinnere ich mich gern an ihn.
Ich war so etwa 12 Jahre und fand in einem Buch von 1938 einen Artikel und eine Zeichnung wie man so ein Gerät baut. Zum Geburtstag gab's dann das Zubehör. Eine Germaniumdiode, das "Herzstück", einen "Quetscher" (ich weiß heute, es war der falsche Ausdruck, aber wir nannten ihn nun mal so :- ), eine kleine Mittelwellenspule und einen Kopfhörer, so ein Schwarzer mit Blechmembrane, aber schön hochohmig. Eine Tante spendierte noch ein paar Telefonbuchsen und eine Seifendose. Mit einem handelsüblichen 80W Lötkolben ging's dann zu Werke. Die Diode hat es überlebt und irgendwann kam aus dem Gerätchen tatsächlich Musik. Leise, sehr leise und so hatte ich den Kirschbaum als Antennenhalter im Visier. Viel Draht, viel Musik - schon besser, AHA!!! In den Bastelbüchern von Martin Selber stand etwas von Transistoren. Tatsächlich, für einige Mark ! hatte der örtliche Fachhandel eine einzigen Type vorrätig. So ein schwarzes Teilchen aus Glas, mit drei Drähtchen, die so furchtbar schnell abbrachen und natürlich genau am Gehäuse. Man lernt immer dazu und das Experiment gelang. Die Musik war lauter und man hörte zwei, drei Sender. Aus Opas Fundus stammte ein alter "Freischwinger - Lautsprecher", der das Gerät komplettierte. Mein erstes Radio.
In der Schule wurde herumgefragt, "wer will in die Arbeitsgemeinschaft Junge Funker"? Funken hat etwas mit Radio zu tun. Amateurfunker sind bestimmt "Radiomacher". Aha, also bin ich hingegangen. Dass Amateurfunk so gar nichts mit herkömmlichem Rundfunk zu tun hatte, stellte sich sofort heraus. Nein, das war noch viel interessanter.
Mit einem Schlag verbesserte sich meine materielle Situation. An der Klubstation vom Funkwerk Erfurt, DM8AI, war alles vorhanden, was das Bastlerherz begehrt. Werkzeug, Röhren, Trafos, Widerstände, Kondensatoren, eben alles was man so braucht und alles kostenlos. Das wichtigste will ich nicht vergessen, Hilfe und Anleitung von den "alten Hasen". So folgten meinem Erstlingswerk in kurzer Zeit ein "0V1", ein Röhrenaudion, bestückt mit EF12. Ein Grid Dip Meter, mit einer EM84, einem "Magischen Auge". Mein erster Superhet - Amateur- funkempfänger. Sowie eine elektronische Morsetaste, mit Transistoren und Telegrafenrelais.
Mittlerweile hatte ich auch eine "Hörerlizenz" bestanden. Als DM 4013 I durfte ich am Amateurfunkverkehr "hörend" teilnehmen. Ich weiß heute nicht mehr, ob man mit 14 Jahren schon eine Sendelizenz bekommen konnte, aber das stand damals noch nicht zur Debatte.
Folgerichtig lernte ich Funkmechaniker und arbeitete bei der Deutschen Post in einem TF - Amt (TF = Trägerfrequenz). Später habe ich Radios und Fernseher repariert. Das war auch die Zeit, als sich die Transistoren das Feld erobert hatten, die ersten hochintegrierten Schaltkreise auftauchten und die gute alte Rundfunkröhre langsam ausstarb. Letztendlich landete ich bei "Stern Radio Berlin" in der HF - Fertigung. Dort habe ich keine Radios mehr repariert, sondern neue Radios gebaut.
So zieht sich die Hochfrequenz wie ein roter Faden durch mein Leben. Heute, im Zeitalter der Vollintegration, ausgerüstet mit dem Wissen von 45 Jahren Elektronik, stehen natürlich andere Projekte an.
Da wäre zum Beispiel SDR, ein Sende - Empfangssystem, bei dem 90% der "Hardware" vom PC ersetzt wird. Eine Fernsteuerung übers Internet oder auch neue Antennentypen, wie zum Beispiel die EH Antenne. Ich habe auf meine älteren Tage das programmieren von µC gelernt und momentan beschäftigt mich HTML / CSS, PHP und Java Script. Na ja, es geht nicht mehr ganz so fix, aber es geht immer weiter.
Warum ich das überhaupt aufgeschrieben habe? Damit sich der Eine oder Andere ein Bild machen kann, mit wem er es überhaupt zu tun hat.
Als Anregung selbst mal zum Lötkolben zu greifen. Es gibt so vieles, was man sich selber bauen kann und ein "Eigenbau" ist sowieso immer besser als ein gekauftes Produkt. Ich hoffe, ihr findet auf meinen Seiten etwas Interessantes und wünsche euch viel Spaß beim Stöbern.

Bis die Tage, Gerd